Schiffstaufe: Warum wird ein Schiff getauft?

Schiffstaufe – das erste, was einem dabei durch den Kopf geht, sind spektakuläre Feuerwerke und eine riesige Party, die live im Fernsehen übertragen wird. Ja, wenn ein neuer Luxusliner getauft wird, verwandeln sich die Häfen in große Partymeilen und der Abend in ein unvergessliches Fest mit pompösem Spektakel wie beispielsweise Live-Auftritten von Stars. Es gibt aber auch kleinere Taufen, bei denen das Schiff bzw. Boot im Vordergrund steht. Aber warum wird ein Schiff eigentlich getauft? Und wie läuft eine Taufe ab? Ich habe alles Wissenswerte rund um das Thema Schiffstaufe einmal für euch zusammen getragen.

Die Schiffstaufe wird auch als Schiffsweihe oder Schiffssegnung bezeichnet und findet normalerweise vor dem Stapellauf, das bedeutet, bevor das Schiff das erste Mal mit Wasser in Berührung kommt, statt. Bei größeren Schiffen bekannter Reedereien wird sie beim ersten Anlauf eines Hafens zelebriert. Im Vordergrund steht hierbei die Namensgebung des Schiffes, welcher von der Taufpatin verkündet wird. Neben einer Taufpatin nehmen noch die Mannschaft und der Kapitän am Festakt teil, sowie in besonderen Fällen auch eine Menge Zuschauer, der Geschäftsführer, der Werftbauer und der Eigner.

Inhalt: Schiffstaufe

  1. 1. Warum wird ein Schiff getauft?

  2. 2. Namensgebung

  3. 3. Die Taufpatin

  4. 4. Ablauf der Taufe

  5. 5. Taufe aus psychoanalytischer Sicht

1. Warum wird ein Schiff getauft?

Schiffstaufen gibt es schon seit dem 4. Jahrhundert vor Christus. Früher wurden sie vollzogen, um die Ängste der Seefahrer zu lindern, die aus Ungeheuern, Riesenwalen, unberrechenbaren Winden, Stromschnellen, Eisbergen und dem plötzlichen Ende der Erdscheibe bestanden. Außerdem wollte man die Götter – vor allem den des Meeres, Neptun – besänftigen und für sich einnehmen. Heutzutage wird noch getauft, um dem Schiff und seiner Besatzung Glück und Wohl mit auf den Weg zu geben. Zudem ist es eine schöne Tradition, die aufrecht erhalten werden soll. Ein weiterer wichtiger Grund ist der Aberglaube. Es wird behauptet, dass es ein „Böses Omen“ sei, wenn ein Schiff nicht getauft wird. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Titanic. Nur wenige wissen, dass sie nie getauft wurde aber jeder weiß, dass sie nicht in ihrem Zielhafen ankam.

2. Namensgebung

Für den Namen eines Schiffes wurden damals oft Figuren aus der Mythologie verwendet. Dies hatte den Hintergrund, dass die Gottheiten das Schiff beschützen sollten. Außerdem waren Namen, die eine bestimmte Aufgabe beschrieben und Tier- oder Waffennamen sehr beliebt. Deutsche Dichternamen brachten eher Unglück, da Schiffe mit Namen Goethe oder Herder oftmals schwere Schickssalschläge erlitten. Männliche Schiffsnamen wurden immer verweiblicht und so „vom bloßen Ding zum Weib“ gemacht. So wurde z.B. aus dem Schiffsnamen „Löwe“ die Löwin und aus „Goethe“ die Goethe. Dies lässt sich darauf zurück führen, dass früher nur Seemänner an Bord waren, die wochenlang keine Frauen zu sehen bekamen und somit wenigstens von ein wenig Weiblichkeit auf ihrer langen Reise begleitet wurden.

3. Die Taufpatin

Da es Taufen schon seit langer Zeit gibt, treten heutzutage immer noch Taufrituale aus der Vergangenheit auf, die in den Zeremonien umgesetzt werden. Dies betrifft vor allem die Taufpatin, die bei einer Taufe natürlich nicht fehlen darf! Wie auch beim Namen des Schiffes, ist es ganz wichtig, dass eine Frau diese Rolle übernimmt, denn es heißt, Männer brächten Unglück. Außerdem müssen die Frauen ein paar „Voraussetzungen“ mitbringen, um das Schiff nicht „ins Verderben zu stürzen“. Sie darf kein grünes Kleid während der Zeremonie tragen, rothaarig oder schwanger sein. Auch Freitage sind nicht gut für eine Taufe geeignet.

Große Schiffe von bekannten Reedereien werden oft von berühmten Persönlichkeiten getauft. So hatte zum Beispiel die Queen Mary 2 Queen Elizabeth II zur Taufpatin und das 3. Schiff von TUI Cruises durfte immerhin mit Helene Fischer Vorlieb nehmen.

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4. Ablauf der Taufe

Zunächst erfolgt die Ansprache der Taufpatin. Diese kann frei gestaltet werden, jedoch dürfen dabei einige Schlüsselformulierungen nicht fehlen. Vorkommen muss zum einen der Name des Schiffes, der Wunsch nach „allzeit guter Fahrt und stehts eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“ und zu guter letzt ein dreifacher „Hipp-Hipp-Hurra“- Gruß. Nach der Taufrede der Taufpatin folgt der „flüssige“ Teil der TaufeDafür wird eine Sektflasche gegen den Rumpf geschleudert bzw. bei kleineren Booten nur über die Planken gegossen. Alkohol soll hier dem heiligen Weihwasser entsprechen. Je nach Land und Kultur wird eine Schiffstaufe mit anderen Flüssigkeiten vollzogen und so wird neben Sekt auch Wein, Whiskey, heiliges Wasser aus Mekka oder sogar eine Kokosnuss verwendet. Nachdem auch dieses erfolgreich stattgefunden hat, kann das Schiff zu Wasser gelassen werden, soweit es nicht schon im Wasser liegt. Zwischenfälle, die bei der Taufe stattfinden, können ebenfalls Unglück bringen. Dazu zählt das nicht-Zerbrechen einer Sektflasche oder das Hängenbleiben beim Stapellauf. Bei bekannten Kreuzfahrtschiffen folgt nach einer Zeremonie dann oft ein opulentes Feuerwerk über mehrere Minuten, welches Zuschauer (live vor Ort und im Fernsehen) beeindrucken soll.

Nach der Taufe tritt das Schiff seine Jungfernfahrt an. Am Abend gibt es an Bord ein Festmahl, bei dem der Sektkorken der „Taufflasche“ noch einmal groß präsentiert wird.

5. Taufe aus psychoanalytischer Sicht

Habt ihr gewusst, dass sich sogar Psychologen mit dem Thema „Schiffstaufe“ befasst haben und die „Statisten“, die bei einer Zeremonie anwesend sind, deuten? Diese lös(t)en beim Hörer und sogar bei mir während der Recherche ein Schmunzeln aus.

Die Taufe insgesamt wird hierbei als Geschlechtsakt sowie Geburt gedeutet. Die Taufpatin übernimmt die Rolle der Mutter, die ihrem Kind (also dem Schiff) in ihrer Rolle als Jungfer alles Gute mit auf den Weg gibt. Den männlichen Part übernimmt die Sektflasche, die die Jungfer befruchtet. Am besten lässt sich hier der Philosoph Lorenz Engell zitieren, der das ganze noch einmal wie folgt zusammenfasste:  „Wir alle wissen natürlich, was wir von Sektflaschen, die aufgehen und Schaum entlassen, zu halten haben.“ Nach der Befruchtung findet dann die Geburt statt. Dies ist das Einlaufen bzw. Eintreten ins Wasser, bei der die Nabelschnur – also die Bänder – die das Schiff an Land halten, gelöst wird.

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