Venedig verbannt Kreuzfahrten aus der Stadt

Die Zeit der Kreuzfahrtschiffe, die direkt in der Lagunenstadt Venedig anlegen und vorbei am wunderschönen Markusplatz entlangschippern, könnten bald gezählt sein. Die italienische Regierung stößt nun mit einem konkreten Entwurf hervor, der die Kreuzfahrtindustrie in der Adria empfindlich schädigen könnte.

(dpa) Kreuzfahrt-Kolosse vor dem Markusplatz in Venedig sollen nach dem Willen der italienischen Regierung bald der Vergangenheit angehören. Nach jahrelangem Streit über das Thema sollen die riesigen Schiffe künftig nicht mehr vor dem historischen Zentrum der Lagunenstadt fahren.

Anlegen in Marghera statt mitten in Venedig

Wie das Verkehrsministerium in Rom am Dienstagabend nach einem Treffen mit den Vertretern Venedigs und der Region mitteilte, sollten die Schiffe stattdessen eine andere Route fahren und im weniger glamourösen Marghera am Festland (siehe Satellitenbild unten) halten. Bis dort das notwendige Terminal gebaut ist, sollen aber noch drei bis vier Jahre vergehen.

Um die Riesenschiffe, die sich im Kanal von Giudecca dicht an Sehenswürdigkeiten wie dem Markusplatz vorbeischieben, wird seit langem bitter gestritten. Umwelt- und Kulturschützer sehen das Unesco-Welterbe Venedigs sowie das sensible ökologische Gleichgewicht in der Lagune bedroht. Unternehmer und Tourismusveranstalter sehen dagegen ihr Geschäft in Gefahr.

Die Unesco hatte Venedig bereits gewarnt, schnellstmöglich etwas gegen das Problem mit den Kreuzfahrtschiffen und dem Massentourismus zu unternehmen. «Es reicht, dass der Unesco und der Welt klar ist, dass wir eine Lösung für die großen Schiffe in der Lagune haben», sagte Venedig Bürgermeister Luigi Brugnaro.

Unklar bleibt jedoch, ob dieses Verbot für alle Kreuzfahrtschiffe oder nur die größeren Schiffe für mehr als 1.500 Passagiere gelten soll. Sobald es hierzu weitere Informationen gibt, erfahrt ihr sie hier!

Update: Das Verbot soll mehrerer Aussagen zufolge ab einer Bruttoregisterzahl (BRZ) von 55.000 gelten.

Der neue Hafen soll in Marghera entstehen (roter Kasten)

Die ursprüngliche Nachricht wurde auf nzz.ch gefunden.

Alle Kommentare (1)

Martin Schusterbauer 08.11.2017 19:50

Ich kann die technische Notwendigkeit der Verlegung des Hafens nicht beurteilen. Aber die Anreise mit der Bahn bis Santa Lucia am Canal Grande, zu Fuß über die Ponte della Constituzione und mit dem People Mover direkt zum Schiff war kurz und bequem. Wenn dann noch einige Zeit bis zum Einschiffen blieb, begann der Urlaub schon am Markusplatz… Sollte der Abfahrtshafen künftig weit weg vom Stadtzentrum liegt, verliert der Anreisetag viel Schönes. Wäre alternativ eine Zufahrt zum bisherigen Hafen über das südliche Ende des Lido möglich?

Kommentar schreiben