Schiffbrüchige an Bord: Fünf Personen und acht Schafe

In der Seenotleitung Bremen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wird jeden Morgen um neun Uhr der „Stand“ an die neue Wache übergeben – eine Liste, in der in Kurzform zur Information alle Einsätze der vergangenen 24 Stunden aufgelistet sind. Die Notizen sind knapp gehalten. Benötigen die Wachleiter der neuen Schicht Informationen zu einem Fall des vergangenen Tages, sehen sie im umfangreicheren digital geführten Einsatzbericht nach. Im „Täglichen Stand“ finden sich lediglich der Name des Havaristen, Uhrzeiten, ungefähre Position und die Anzahl der Personen an Bord.

Heute Morgen, Donnerstag,ack_seenotreeter_schafbruechig den 28. August 2014, war bei der Übergabe ein Einsatz des Seenotkreuzers Eiswette besonderes Gesprächsthema. Für ein kleines Motorboot war dort vermerkt: „Fünf Personen und acht Schafe“. Ein Anruf bei Stefan Paulsen, Vormann des Seenotkreuzers Eiswette, der auf der Halbinsel Nordstrand bei Husum stationiert ist, brachte Klärung. Denn dort im Nordfriesischen gibt es nicht nur die Insel Pellworm, außerdem liegt etwas südwestlich davon auch die Hallig Süderoog.

Bewohnt wird die Hallig nur von Nele Wree und Holger Spreer, denn Süderoog liegt in der Schutzzone 1 des Nationalparks Wattenmeer und ist gleichzeitig Unesco-Weltnaturerbe. Die beiden einzigen Bewohner sind beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz angestellt und kümmern sich um den Erhalt der etwa 60 Hektar großen Fläche. Zu ihren Aufgaben zählen der Küstenschutz, die Gebäudeinstandhaltung und der Naturschutz. Mit ihnen auf der kleinen Hallig leben Schafe, Enten, Gänse und Puten, denn auf ihrem Hof machen Nele Wree und Holger Spreer sich für den Erhalt bedrohter Nutztierrassen stark.

Ihr robustes Arbeitsboot, die „Kingfisher“, sorgt für den Transport von Gütern zwischen Süderoog und dem Festland. Auch Tagesgäste können über diese Verbindung die Hallig besuchen. Und so war es auch gestern. Die Halligbewohner hatten auf Föhr acht Coburger Fuchsschafe gekauft, Neuzugänge für die kleine Halligherde, die an Bord der „Kingfisher“ in ihr neues Revier auf der Hallig geschippert werden sollten. Ein dreiköpfiges Fernsehteam begleitete die Fahrt ebenfalls. Doch unterwegs von Föhr nach Süderoog, in Höhe der ausgedehnten Sandbank Japsand, verlor der Motor plötzlich an Leistung. Trotz ruhigen Wetters und kaum Seegang ist das im nordfriesischen Wattenmeer nicht ungefährlich, denn ein manövrierunfähiges Schiff kann mit dem Gezeitenstrom schnell auf eine Sandbank getrieben werden.

Der Skipper rief die Seenotretter, und der auf Nordstrand stationierte Seenotkreuzer Eiswette lief sofort aus. Der Wasserstand erlaubte noch den deutlich kürzeren Weg östlich von Pellworm über die Watten, und nach knapp eineinhalb Stunden erreichten die Seenotretter die „Kingfisher“ mit ihren tierischen Passagieren. Im Schlepp des Seenotkreuzers ging es dann zurück nach Pellworm, wo die Schafe wieder ausgeschifft wurden. Erst nach Reparatur des Bootsmotors der „Kingfisher“ konnten die tierischen Passagiere ihre neue Heimat auf der Hallig in der kleinen Schafherde der beiden Halligbewohner beziehen. Für die Seenotretter war das Einschleppen des Havaristen trotz der „tierischen Fracht“ Routine: „Alle Passagiere des Havaristen haben die Schleppreise gut überstanden“, sagte Stefan Paulsen, Vormann vom Seenotkreuzer Eiswette – „auch die wolligen“.

[db]

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