Ärger auf dem Traumschiff

Passagiere verklagen Phoenix wegen Dreharbeiten

Es hätte so schön sein können: Phoenix hat sich so sehr gefreut, dass sie den Zuschlag für die Dreharbeiten der neuen ZDF-Serie „Das Traumschiff“ erhalten haben. Auf dem äußerst beliebten Kreuzfahrtschiff MS Amadea wurde im Januar dieses Jahres unter anderem mit den Schauspielern Harald Schmidt, Heide Keller und Sascha Hehn gedreht, was auch für die Passagiere ein Erlebnis war, denn so nah ist man seinen Lieblingsstars wirklich selten. Nicht alle Passagiere waren jedoch begeistert: Mehrere Personen klagen nun vor Gericht, da die Dreharbeiten aufgrund des daraus entstandenen Trubels die Reise massiv beeinträchtigt haben. Sie fordern eine Teilerstattung des Reisepreises, die für manche Reisende bis über 11.000€ gekostet hat. Der Streitpunkt: Reiseveranstalter Phoenix hat die Passagiere nicht über die Dreharbeiten an Bord benachrichtigt.

Ärger auf dem Traumschiff – Passagiere verklagen Phoenix wegen Dreharbeiten

Das Amtsgericht in Bonn hat diese Tage sehr viel zu tun, da sich aufgrund der Dreharbeiten auf der MS Amadea nun mehrere geschädigte Reisende beschwert und eine Klage eingereicht haben. Die laute Geräuschkulisse, verursacht durch die große Anzahl an Mitgliedern der Filmcrew sowie regelmäßigen Durchsagen per Megafon, die langen Kabel, die überall verlegt wurden sowie das Hämmern und Sägen für die verschiedenen Szenen haben den 82-jährigen Hauptkläger sowie seine 79-jährige Frau dazu bewegt, Phoenix auf Schadensersatz zu verklagen. Wegen Reisemangels fordern sie 2050€ des Reisepreises zurück, der für beide zusammen 11.080€ betrug. Da sie vorher vom Bonner Veranstalter nicht über die Dreharbeiten informiert wurden, stellt dies die Hauptstütze ihrer Argumentation dar: Denn hätten sie das gewusst, hätten die erfahrenen Kreuzfahrer (nach eigenen Angaben haben sie vorher bereits 19 andere Kreuzfahrten gemacht) diese Reise nicht gebucht.

Der Anwalt von Phoenix hält dagegen: Durch die Präsenz in den Medien vor Beginn der Dreharbeiten hätte man darüber auch ohne eigene Benachrichtigung bescheid wissen können. Des Weiteren wurde an Bord täglich durchgesagt, wo an dem jeweiligen Tag gedreht wird, sodass man diese Orte immer meiden konnte. Zudem war die Resonanz bei dem Großteil der Reisenden sehr positiv: Viele Reisende trugen sich in die Listen für Statisten an und dürfen sich nun freuen, in der Weihnachtszeit im Fernsehen zu sein, denn dann wird die neue Serie „Das Traumschiff“ im ZDF ausgestrahlt.

Die Richterin wählte nun einen Mittelweg und gab den Klägern in dem Punkt recht, dass man die Reisenden zu den Dreharbeiten hätte informieren müssen. Sie schlug einen Vergleich vor, der den Klägern eine 10%-ige Rückerstattung des Reisepreises vorsieht. Zu wenig für das klagende Ehepaar, das unter allen Umständen 200€ mehr fordert. Falls sich die beiden Parteien nicht innerhalb von drei Wochen einigen sollten, wird die Richterin ein bindendes Urteil sprechen. Für Phoenix wird dieses Urteil jedoch nicht das letzte sein: Ein zweites Paar fordert in der gleichen Sache ebenfalls eine Rückerstattung des Reisepreises. Höhe: 4.597€!

Update vom 1. September 2016: Das Landgericht Bonn hat die Klage des älteren Ehepaares abgewiesen! Das Amtsgericht Bonn hatte vorher anders entschieden und Phoenix Reisen aufgefordert 1.022,76€ an die Kläger zu zahlen. Sie gingen im Berufung und erhielten nun Recht. Die Begründung: Die Unannehmlichkeiten, die durch die Dreharbeiten entstanden sind, waren nicht groß genug um einen echten Reisemangel darzustellen. Auf dem Schiff gibt es genügend ruhige Plätze, selbst während der Dreharbeiten.