Kreuzfahrt-Insider packt aus

Das passiert hinter den Kulissen einer Kreuzfahrt

Als Gast ist eine Kreuzfahrt die pure Entspannung. Die Crew tut alles für das Wohlbefinden, die vielen verschiedenen Einrichtungen an Bord bieten sehr viel Abwechslung und wenn dann auch noch das Wetter passt, kann man sich auf dem Sonnendeck mit einem kühlen Getränk prächtig erholen. Doch was läuft hinter den Kulissen ab? Wie denkt die Crew eigentlich über die Passagiere und kommt man sich bei einer längeren Kreuzfahrt innerhalb der Crew eigentlich näher? Auf welt.de bin ich auf ein sehr interessantes Interview von Anna Warnholtz gestoßen, bei dem Brian David Bruns, ein ehemaliges Crew-Mitglied der Carnival Cruise Line, aus dem Nähkästchen plaudert und erzählt, wie das Leben als Mitarbeiter auf einem Kreuzfahrtschiff wirklich aussieht. Ihr lest hier eine Zusammenfassung des Interviews, das ganze Interview findet ihr auf welt.de.

Kreuzfahrt-Insider packt aus – Über Arbeitszeit, Sex mit weiblichen Crewmitgliedern und mehr

Ein Job auf einem Kreuzfahrtschiff muss für einige von euch doch sicherlich ein Traumurlaub sein, oder? Für Brian David Bruns, der vier Jahre lang auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen tätig war, gilt dies nur bedingt. Zwar gibt es auch viele positive Seiten, unter anderem sieht man auf Kreuzfahrtschiffen in relativ kurzer Zeit sehr viel von der Welt, doch auch diese Medaille hat zwei Seiten: „[…] Als Kellner habe ich 15 Wochen hintereinander mehr als 100 Stunden pro Woche gearbeitet – ohne einen einzigen freien Tag gehabt zu haben. Dann habe ich aufgehört zu zählen.“ Neben der vertraglich vereinbarten Arbeit, fielen bei den meisten Kreuzfahrten noch weitere Aufgaben an, die so nicht im Vertrag standen und die Arbeitszeit arg verlängert haben. Dazu Brian David Bruns: „Kellner beispielsweise mussten täglich Überstunden machen, um andere Kellner zu überwachen, damit diese kein Silberbesteck klauen. […]“

Wer bei solchen Arbeitszeiten glaubt, gut bezahlt zu werden, täuscht sich gewaltig, denn laut dem Insider gab es hier pro Monat nur 50 Dollar zugesichertes Gehalt pro Monat, der Rest setzt sich aus dem Trinkgeld der Passagiere zusammen, das zwischen 1000 und 3000 Dollar variieren kann. Als Kellner war man jedoch nicht am untersten Ende der Hierarchiepyramide angesiedelt, da man wenigstens bessere Kabinen und das höhere Trinkgeld erhielt. Andere Crewmitglieder ohne Gästekontakt, also zum Beispiel Wäschereimitarbeiter oder Zimmermädchen, haben bei einer Kreuzfahrt noch weniger verdient.

Diese schwankende Bezahlung hat jedoch kaum an der Moral der Crew gerüttelt. „Ehrlich gesagt, arbeitet ein Großteil der Crew gerne auf Schiffen […]. Amerikaner schließen oft Freundschaft mit Kellnern und Zimmermädchen während des Törns“ entgegnet Brian David Bruns zu diesem Thema. „Trotzdem kommt es vor, dass, wenn ein Crewmitglied total überarbeitet ist, es den lieb gewonnen Gästen deren freie Zeit missgönnt. Aber das sind Ausnahmen.“ Was die Meinung der Crew über die Passagiere angeht, kann es besonders im Restaurant zu der ein oder anderen Lästerei kommen: „Bei den Kommentaren dreht es sich oft darum, wie übergewichtig Leute aus dem Westen sind, insbesondere Amerikaner. […]“ gibt der Insider zu.

Einen bestimmten Urlaubstypen können wahrscheinlich alle Crewmitglieder auf einem Kreuzfahrtschiff nicht leiden und zwar Passagiere, „die die Crew als Menschen zweiter Klasse behandeln.“ Darauf angesprochen, ob man die besonders unangenehmen Urlauber einer bestimmten Nationalität einordnen kann, beantwortet Brian David Bruce wie folgt: „Kaum einer mag italienische Passagiere, sie sind – verallgemeinert – unverschämt und laut.“ Deutsche Reisende seien da schon sehr viel angenehmer: „[…] Sie gelten als leise und zuverlässig. Mit leise meine ich, sie sind nicht so bombastisch laut wie Amerikaner oder Italiener und sie plappern nicht ständig. Kellner lieben sie, denn sie sind pünktlich, einfach zu bedienen, bringen Geld und sind dramafrei.“

Ein pikantes Thema auf Kreuzfahrtschiffen ist natürlich auch die Beziehung innerhalb der Crew zueinander, denn anders, als viele an Bord glauben mögen, schlafen die Mitglieder der Crew nicht in Einzelkabinen, sondern immer mit mindestens einer weiteren Person. Da jedes Techtelmechtel eines Crewmitglieds mit einem Passagier strikt verboten ist, kommt es schon einmal vor, dass es innerhalb der Crew knistert: „Sex in Crewkabinen gibt es immer. Jede Koje hat einen eigenen Vorhang – das Stück Stoff ist alles, was einen von den anderen trennt. Es dauert etwas, sich daran zu gewöhnen.“

Quelle: Anna Warnholtz, welt.de vom 6. Juli 2015

Und jetzt seid ihr wieder gefragt! Seid ihr möglicherweise ebenfalls Mitglied eines Kreuzfahrtschiffs und könnt diese Aussagen bestätigen? Wie sehen das die Urlauber unter euch? War die Crew immer nett oder habt ihr doch schon gemerkt, dass die Laune aufgrund der Arbeit vielleicht nicht immer so gut war? Eure Meinung interessiert mich!

Alle Kommentare (1)

LI 22.02.2016 18:31

Ich bin fast 10 Jahre auf Kreuzfahrtschiffen gefahren. Als Offizier hat man eine Einzelkabine und natürlich ergeben sich Beziehungen zu anderen - weiblichen - Crewmitgliedern. Bei 3-monatigen Törns kommt es immer wieder zu intimen Beziehungen. Die dann in der Regel aber keinen längeren Bestand haben, da die Crews immer wechseln. Aber Sex hinterm Vorhang habe ich noch nicht erlebt! Da wird dann ggf. eine "Vereinbarung" mit dem Kabinenkollegen getroffen. Wir sind alle erwachsene und gebildet Menschen.

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