Hamburger Hafen: Intelligentes Transport System für die Binnenschifffahrt

Ein neues Konzept für eine optimierte Abwicklung von Binnenschiffsverkehren steht für den Hamburger Hafen bevor: Das Intelligentes Transport System (ITS) soll für die Binnenschifffahrt eingesetzt werden. Allein etwa 10.000 Binnenschiffe wurden im Jahr 2014 mit etwa 11,6  Millionen Tonnen abgefertigt. Dies macht rund elf Prozent des Gesamtaufkommens im Hinterlandverkehr aus.

Das neue Konzept der Binnenschifffahrt auf der Elbe kann allerdings nur zuverlässig funktionieren, wenn alle Terminals, Reedereien und die zuständigen Behörden miteinander kommunizieren und gemeinsam an der Verbesserung der Rahmenbedingungen arbeiten. Um den Austausch zu fördern, haben Hafen Hamburg Marketing (HHM) und die Hamburg Port Authority (HPA) zu einem Binnenschifffahrtstag in Hamburg eingeladen.

Intelligentes Transport System für den Hamburger Hafen

Mehr als 100 Vertreter von Binnenschifffahrtsreedereien, Speditionen, Terminals, Hafenbehörden, Verladern, Verbänden und Handelskammern entlang der gesamten Elberegion nutzten die Veranstaltung, um gemeinsam aktuelle Herausforderungen und neue Lösungsansätze für eine effizientere Binnenschifffahrt zu diskutieren. In Vorträgen präsentierten sich darüber hinaus unter anderem Hamburger Terminals aus dem Container-, Multi-Purpose und Massengutbereich mit großem Interesse an der Binnenschifffahrt.

Hamburg am AbendEine Befragung der in Hamburg verkehrenden Binnenschiffer durch das Oberhafenamt hat ergeben, dass es Optimierungsbedarf bei der Brückenfreiheit von Liegeplätzen, den Pegelanlagen und der Liegesituation an privaten Kaianlagen gebe. Die HPA hat darauf unter anderem mit der Installation von neuen LED-Pegelanlagen mit exakten Pegelständen und Brücken-Durchfahrtshöhen reagiert.

„Die erste Anlage ist bereits an der Rethebrücke aktiviert, eine weitere wird zurzeit an der Süderelbbrücke gebaut und nach einer Testphase voraussichtlich im dritten Quartal 2015 in Betrieb gehen. Unser Ziel ist, alle sechs Monate eine neue Umkehrpegelanlage an den Knotenpunkten im Hafen zu installieren“, so der stellvertretende Hafenkapitän und Nautische Direktor Andreas Brummermann.

Auch die Landstromanlagen für die Stromversorgung an öffentlichen Binnenschiffsliegeplätzen werden erneuert. Am 22. April beginnt eine Probephase für neue Stromzapfsäulen, die auf einen Chipkartenbetrieb (RIFD-Karten) umgestellt wurden. Ab dem Sommer sollen die Anlagen dann offiziell umgerüstet und in Betrieb genommen werden. Darüber hinaus hat die HPA mögliche neue Liegeplätze für Binnenschiffe und Schuten nahe der Terminals geprüft und identifiziert.

Um den Informationsaustausch bei Binnenschiffsverkehren zu optimieren, arbeitet die HPA an einem Konzept zur Entwicklung einer ITS-Strategie für die Binnenschifffahrt in Hamburg und entlang der Elbe. Auf dem Binnenschifffahrtstag wurden erste Einblicke in die Entwicklungsphase erstmals öffentlich präsentiert. In dem System würden alle Daten der an der Transportkette beteiligten zusammenlaufen – Fahrplan- und Ladedaten der Binnenschiffe, Verfügbarkeiten der Terminals, Schleusen und Brücken, Pegelstände der Elbe und andere aktuelle Verkehrsinformationen aus dem Oberhafenamt und der Nautischen Zentrale.

„Unser Ziel ist, die Informationsbereitstellung für die Binnenschifffahrt im Hamburger Hafen zu optimieren, die Zuverlässigkeit und Planbarkeit der Transportprozesse zu erhöhen und die Auslastung und Wirtschaftlichkeit der Verkehrsinfrastruktur zu steigern“, erläuterte Saskia Zippel, die bei der HPA für den Bereich Strategie Binnenschifffahrt zuständig ist. Außerdem könnten durch ein Intelligentes Transport System die Kosten für die Nutzer reduziert und die Verkehrssicherheit für Binnenschiffe erhöht werden.

Der Datenaustausch zwischen allen an der Transportkette Beteiligten würde papierlos, vereinfacht und beschleunigt. Dadurch könnten Binnenschiffer und Terminals unter anderem flexibler auf außerplanmäßige Verzögerungen oder Änderungen reagieren. Durch eine Anbindung des Systems an das Projekt smartPORT logistics (SPL) könnte die gesamte Transportkette auch unter Einbeziehung der Binnenschifffahrt transparenter und effizienter werden.

Ein erstes Pilotprojekt zur Detektion von Liegeplatzauslastungen und Binnenschiffsankünften im Hamburger Hafen wird nächstes Jahr starten. Eine Grundvoraussetzung ist, dass die Binnenschiffe ihre Automatischen Identifikationssysteme (AIS) eingeschaltet haben. Das Projekt stieß bei den Teilnehmern des Binnenschifffahrtstages auf großes Interesse. Auch Hafenvertreter aus Lüneburg, Uelzen und Haldensleben kündigten an, die weitere Entwicklung solch eines Systems übergreifend entlang der Elbe unterstützen zu wollen.

Digitales Meldeverfahren für Binnenschiffe

Ein erster Schritt zur Modernisierung der Binnenschifffahrt ist gerade vollzogen: Seit dem 15. April 2015 können sich Binnenschiffe im Hamburger Hafen über digitale Formulare an- und abmelden. Was in der Seeschifffahrt, im Bahnverkehr und bei Truckern seit vielen Jahren internationaler Standard ist, wurde in der Binnenschifffahrt lange stiefmütterlich behandelt. Bislang erreichten handschriftlich ausgefüllte Anmeldeformulare der Binnenschiffer die HPA per Fax. Das neue Online-Verfahren vereinfacht und verbessert den Meldeprozess.

Außerdem können Stammdaten für Folgeanläufe gespeichert werden. In 2016 soll als nächster Schritt ein Webportal für die Meldeverfahren online gehen. Darüber hinaus hat die HPA eine digitale Karte der 106 öffentlichen Liegeplätze für Binnenschiffe veröffentlicht. Viele Plätze waren den Binnenschiffern nach Einschätzung der Hafenbehörde nicht ausreichend bekannt. Die Karte informiert darüber hinaus über Ausstattungsmerkmale der Liegeplätze und wird kontinuierlich weiterentwickelt und ergänzt.

Nutzung der Binnenschifffahrt für Leercontainerlogistik

Auch für hafeninterne Umfuhren und den Transport von Leercontainern zu Depots soll das Binnenschiff verstärkt eingesetzt werden. 2014 wurden rund 72.000 TEU umweltfreundlich auf den Wasserstraßen zwischen den Containerterminals bewegt. Das Potenzial diesen Anteil zu erhöhen ist immens. Rund 90 Prozent der Umfuhren werden per Lkw abgewickelt. Das führt vor allem auf der Köhlbrandbrücke und der Kattwykbrücke zu Verkehrsengpässen. Um die Leercontainerdepots wasserseitig besser für Binnenschiffe anzubinden, investieren die HPA und die Depots in den Ausbau der Infra- und Suprastruktur. So werden unter anderem der Neuhöfer Kanal für einen tideunabhängigen Umschlag ausgebaut, Binnenschiffsanleger geplant und neue Kräne für die Be- und Entladung von Binnenschiffen in Betrieb genommen.

Wasserstraße Elbe im Bundesverkehrswegeplan

All diese und weitere Projekte verdeutlichen, dass die Binnenschifffahrt in und für Hamburg eine sehr wichtige Rolle spielt, das große Potenzial dieses umweltfreundlichen Verkehrsträgers erkannt wurde und ein gemeinsames Interesse an der weiteren Stärkung und Modernisierung besteht.

Auch die Forderungen nach einer Kategorisierung der Elbe im Bundesverkehrswegeplan werden immer lauter: „Das Bundesverkehrsministerium kann nicht viele Millionen Euro in den Ausbau von Häfen im Binnenland investieren und dann nicht dafür sorgen, dass die Häfen auch wasserseitig verlässlich erreichbar sind“, so Ingo Egloff, Vorstand des Hafen Hamburg Marketing e.V. Von Hamburg bis nach Tschechien fordern die Länder eine mittlere Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter an mindestens 345 Tagen im Jahr.

Heute liegt die Fahrrinnentiefe der Mittel- und Oberelbe auf acht von neun Elbeabschnitten noch nicht bei der vom Bund zugesagten Tiefe von 1,60 Meter, sondern nur zwischen 1,18 und 1,38 Meter. „Das ist zur Abwicklung regelmäßiger Binnenschiffsverkehre nicht ausreichend“, kritisiert Egloff. Der Hafen Hamburg Marketing Vorstand setzt sich mit seiner Organisation und deren Mitgliedsunternehmen für die Erstellung eines Gesamtkonzeptes Elbe ein.

[db]

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