Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff

Ein Blick hinter die Kulissen

Leben und Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff – dort wo andere ihre schönste Zeit des Jahres verbringen dauerhaft sein. Das klingt verlockend, ist es auch. Jeden Morgen aufzuwachen und in einem neuen bezaubernden Hafen dieser Welt zu liegen, jeden Tag neue Menschen und Kulturen kennenlernen – Traumhaft!

Einer der Hauptgründe, warum ihr euch für eine Kreuzfahrt entscheidet, ist neben dem Bordangebot sicherlich der Aspekt, viele Länder in kurzer Zeit zu bereisen. Es gibt viele verschiedene Jobs an Bord, schließlich wird auf einem Kreuzfahrtschiff nahezu jede erdenkliche Stelle gebraucht.

Vom Kapitän und Zimmermädchen über den Sport-Instructor und Physiotherapeuten bis hin zum Arzt oder zur Kosmetikerin. Jeder trägt ein Stück dazu bei, dass die Bordwelt reibungslos funktioniert und ihr als Gäste die schönste Zeit des Jahres dort verbringt. Auch skurrile und verrückte Jobs finden ihren Platz an Bord. Aber kein Job hat die Möglichkeit so nah und intensiv Land und Leute zu erleben, wie der Job eines Scouts.

Bevor ich meinen Heimathafen bei Captain-Kreuzfahrt gefunden habe, bin ich für einige Zeit zur See gefahren. Dort habe ich an Bord der Kussmundschiffe von AIDA Cruises die Welt als Scout bereist. Wie ein perfekter Tag als Scout auch hinter den Kulissen abläuft, erfahrt ihr im folgenden.

Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff: der perfekte Tag als Scout

Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff

Foto: AIDA Cruises

Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff – Der Start in den Tag

Eins ist klar: die Landtage beginnen früh, auch wenn der heutige Tag nahezu perfekt ablaufen wird. Allerdings klingelt je nach Liegezeit im Hafen und Ausflugsbeginn gefühlt der Wecker mitten in der Nacht. Meist sind die Nächte kurz gewesen, somit wird auf den letzten Drücker aufgestanden. Also schnell raus aus der Koje, ab ins Bad, Uniform an, Rucksack schnappen und mit Vollgas in die Crewmesse. Die Schlange an der Essensausgabe hält sich in Grenzen, die Auswahl ist groß und der Kaffee scheint noch heiß zu sein. Noch ist wenig los in der Messe. So kann auch ich mir als Morgenmuffel eine hübsche Ecke suchen und die letzten ruhigen Minuten genießen.

Arbeiten an Bord – der Morgen und Vormittag

Der erste berufliche Gang führt direkt ins Office für ein kurzes Briefing bezüglich eventuellen Besonderheiten. Da ich heute „ANT 36 Einmal wie Robinson Cruseo fühlen“ auf Antigua begleite, gibt es keine speziellen Hinweise bei meinem Ausflug. Nur den obligatorischen Verweis auf Sonnencreme, Wasser und einer Kopfbedeckung gibt es. Alle andere Aufgaben sind bereits von den lieben Kollegen vorbereitet worden, selbst mein Sonnenschutz wurde bereitgestellt. Also geht es langsam hoch ins Theatrium, etwa 15 Minuten bevor die Gäste dort Treffpunkt haben, um noch die Moderationstechnik aufzubauen.

Da Teile dieser Technik für die großen Abendshows relevant sind, ist die Anspannung groß sie alleine einzustellen. Bloß nichts verstellen oder kaputt machen lautet die Devise. Die charmanten Kollegen haben vorher schon alles eingestellt und aufgebaut, Glück gehabt! 67 Passagiere und ein Kollege aus dem Foto-Team haben sich für heute angemeldet und kommen langsam ins Theatrium getrudelt. „Kabine 8140 – drei Personen“, „Kabine 5414 – zwei Personen“, „Kabine 9235 – zwei Personen“ und so geht es weiter, bis sich alle Kabinen angemeldet haben.

Eine kurze Begrüßung, Vorstellung des Programms und der Hinweis auf die wichtigstens Utensilien, später die Frage der Frage – ist alles vorhanden? Traumhaft: Niemand hat seine Tickets vergessen, niemand hat seine Bordkarte vergessen und pünktlich waren auch noch alle Gäste. Also können wir zeitlich starten und machen uns auf den Weg zu Bussen auf die Pier.

Der Landgang

Alle 67 Gäste sind gleichmäßig auf die zwei Busse verteilt. Ab jetzt übernimmt der örtliche Reiseleiter das Kommando. Für mich steht jetzt der übliche Papierkram an. Minutengenaues protokollieren der An- und Abfahrtszeiten, Abgleich der Ausflugsdurchführung und -ausschreibung, allgemeiner Zustand des Busses und Überprüfung der Gegebenheiten vor Ort.

Da beide Reiseleiter auf Antigua wider erwarten deutsch sprechen, fällt sogar die Übersetzungsaufgabe weg. Mit den Bussen zum Anleger in der Hodges Bay, Umstieg auf das Speedboot und willkommen im Paradies. Wir fahren auf eine kleine unbewohnte Insel Names „Prickly Pear“. Sie misst gerade 100 Meter von Norden nach Süden und 50 Meter von Westen nach Osten – hier scheint die Zeit still zustehen. Eine selbst gebaute Bar, eine Art Plumpsklo, puderzuckerweißer Sand und badewannenwarmes Wasser erwartet uns dort – Wow! Aber wie funktioniert das mit der Toilette? Schnell Rat bei der Crew einholen, denn die erste Frage der Gäste ist immer die Toilettenfrage.

Alle suchen sich ein ruhiges Plätzchen und sind rundum zufrieden. Eine Open Bar, Grillspezialitäten und süßes Gebäck stehen uns den ganzen Tag zur Verfügung. Die Gäste genießen die Zeit in vollen Zügen und das werde ich jetzt auch machen. Eine kurze Kontrollrunde, ein bisschen Smalltalk, Gegebenheiten protokollieren, Lebensmittelqualität überprüfen und anschließend  raus aus der Uniform und rein in die Badesachen.

Der Kollege aus dem Foto-Team hat alle Hände voll zu tun. Pärchen am Strand, Familien am Strand, Einzelreisende am Strand – jeder möchte ein Bild. Normalerweise gehört das fotografieren der Gäste noch zu meinen Aufgaben, aber durch die professionelle Begleitung entfällt es heute. Die vier Stunden Aufenthalt, die sich wie Urlaub anfühlten, vergehen wie im Fluge. Dennoch sind wir auf die Minute genau pünktlich zurück am Schiff. Alle Gäste bedanken sich und sind glücklich. Herrlich!

Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff – der Nachmittag und Abend

Die Schalter öffnen erst um 18 Uhr. Das bedeutet, dass um 17.45 Uhr ein kurzes Meeting im Office ansteht und bis dahin steht die Zeit zur freien Verfügung. Meine Kollegen kommen zeitgleich mit mir zurück und so erkunden wir frisch geduscht Antigua noch privat. Traumhaft auch mal ohne Gäste ein Fuß an Land setzen zu können – das ist als Scout wahrer Luxus!

Rechtzeitig zur Schalterbesprechung geht es zurück und anschließend an den Ausflugcounter auf Deck neun im Theatrium. Nette Gäste, viele verkaufte Ausflüge und sogenannte Qualitytime mit den Lieblingskollegen – die perfekten zwei Stunden am Schalter vergehen schnell und der Feierabend naht. Noch flink ins Office, um den nächsten Tag vorzubereiten. Aufgaben wie Dienstpläne kopieren, Guidingschilder vorsortieren und Aufsteller austauschen haben die Kollegen schon übernommen also heißt es ab sofort „Feierabend!“

Leben an Bord

Die Tür vom Gästebereich in den Crewbereich schließt und sofort befindet man sich gefühlt in einer anderen Welt. Nicht nur, dass es im Crewbereich eher praktisch als farbenfroh wirkt, auch die Sprache ist urplötzlich nicht mehr Deutsch, sondern Englisch. Es herrscht Hektik und ein reges treiben auf der „Papenburg“. Sie ist die Hauptstraße im Crewbereich und erhält ihren Namen vom Standort der Werft. Es geht direkt in die Crewmesse, denn da im Büro alles erledigt ist, wird jetzt in Seelenruhe gegessen. Keine Hektik beim Essen, kein Stress und kein Schlingel. Was für eine seltene Wohltat!

Heute Abend steht das allseits beliebte Alpenglühen an. Nicht nur die Gäste freuen sich auf witzige Stunden in Tracht und schunkeln zu deutschen Schlagern, auch die Crew. Zu unserem Vergnügen findet heute auch noch eine Crewparty in Kombination mit dem legendären Alpenglühen statt. Crewparty bedeutet, es gibt jede Menge Freigetränke. So kommt es zustande, dass wir uns alle in Dirndl und Lederhose schmeißen und uns in der Crewbar einfinden.

Selbst die indischen und philippinischen Kollegen haben sich am Theaterfundus bedient und sich in typisch bayrische Tracht geschmissen. Feuchtfröhlich fließen die ersten Getränke, selbstverständlich immer unter Bedacht der Promillegrenze an Bord. Denn auch, wenn der Dienst für heute beendet ist, so wirklich privat ist man nie auf einem Kreuzfahrtschiff.

Crewparty

„Ein Prosit, ein Prosit – der Gemütlichkeit, ein Prosit, ein Prosit – der Gemütlichkeit – OANS ZWOA DREI! G’SUFFA!“ schallt es vom Pooldeck in den Crewbereich und wir mischen uns ins Getümmel. Schunkelnd, mit Bier in der Hand und mit frischen Brezeln ausgestattet starten wir in den Abend.

Es wird eine flotte Sohle Discofox zu deutschen Schlagern aufs Parkett gelegt und lauthals mitgesungen. Zunächst bleibt die Crew im Bereich ihrer extra abgetrennten Crewparty-Zone. Es ist ein urkomischer Anblick, wie die indischen und philippinischen Kollegen in Tracht probieren, Discofox zu deutschen Schlagern zu tanzen. Sie scheinen aber eine Menge Spaß dabei zu haben!

Je später der Abend wird, desto mehr wird sich unter die Gäste gemischt. Diese sind aber recht früh im Bett und so feiert irgendwann nur noch die Crew unter sich bis 2 Uhr auf dem Pooldeck. Um 2 Uhr ist Zapfenstreich und der öffentliche Bereich muss verlassen werden.

Da wir noch lange nicht müde sind, wird das Alpenglühen quasi in die Crewbar verlegt. Sie ist eine Art Wohnzimmer. Man trifft sich dort zum Quatschen, Kaffee trinken, aber auch zum Feiern und Weiterfeiern. Die Feier ist noch lang und so entsteht wieder eine dieser täglich kurzen Nächte.

Ein perfekter Tag neigt sich dem Ende und die Sonne geht langsam erneut in einem neuen Hafen auf!