AIDA schickt Rentner von Bord und besteht auf einen Teil der Stornokosten

Ein Fernsehbeitrag des NDR sorgt im Moment für große Diskussionen unter Kreuzfahrtliebhabern und bringt die größte Reederei Deutschlands AIDA Cruises gehörig unter Druck. Was war passiert? Der 86-jährige Rentner Alfred N. aus Schleswig-Holstein wollte noch einmal auf eine große Reise gehen und an Bord der AIDAcara zum Nordkap fahren. Der Alleinlebende fühlte sich zu diesem Zeitpunkt noch fit genug und bezahlte für diese Kreuzfahrt einen Preis in Höhe von über 5000€. Doch daraus wurde nichts: Nach dem Check-In an Bord wurde er vom Schiffsarzt und dem Kapitän aufgrund seines Gesundheitszustandes vom Schiff verwiesen. Die Stornokosten in Höhe von über 3500€ müssen nun von Alfred N. zusätzlich getragen werden. Laut AIDA wurden die Kosten aus Kulanz auf 50% des Reisepreises gesenkt (ungefähr 2700€). Dieses Beispiel zeigt ein weit verbreitetes Problem in der Reisebranche: Mit richtiger Beratung von Beginn an, hätte man diesen Eklat durchaus vermeiden können.

Reaktion von AIDA Vice President Communication Hansjörg Kunze

Dass ein solches Vorgehen bei deutschen Reisenden und vor allem bei AIDA-Fans nicht gut ankommt, sollte in Anbetracht der vorgetragenen Fakten verständlich sein. AIDA hat daraufhin zeitnah reagiert und folgendes Statement durch Hansjörg Kunze, dem Vice President Communication bei AIDA, veröffentlicht:

„Seien Sie versichert, das Wohl und die Sicherheit unserer Gäste steht für AIDA stets im Zentrum unseres Handelns. Die Berichterstattung des NDRs ist leider einseitig und entspricht nicht in vollem Umfang den Tatsachen obwohl wir dem Sender mit Zustimmung des Gastes alle konkreten medizinischen Details offengelegt haben, die zu einem Reiseabbruch führten. Zu den konkreten Fakten können wir uns aus rechtlich Gründen nicht öffentlich äußern. Leider verfügte der Gast nicht über eine Reiseabbruchversicherung. Dessen ungeachtet haben wir aus Kulanzgründen dem Gast 50 Prozent des Reisepreises erstattet.“

Das größte Problem für Alfred N.: Er war in diesem Fall leider nur gegen einen Reiserücktritt, nicht aber gegen einen Reiseabbruch versichert, der dadurch zustande kam, dass ein Kabinen-Steward den Rentner als „sehr gebrechlich“ befand. Nach einer Konsultation des Schiffsarztes und des Kapitäns wurde dann im Anschluss entschieden, Alfred N. nicht an der Kreuzfahrt teilnehmen zu lassen. Dass dies noch vor dem Ablegen in Kiel geschieht, ist für alle Beteiligten unglücklich, da die Grenzen zwischen Reiseabbruch und Reiserücktritt hier nicht deutlich werden. Rechtlich mag AIDA hier auf der richtigen Seite sein, menschlich hätte man sich jedoch über einen Verzicht der Stornokosten gefreut. Immerhin hat AIDA einen Mittelweg gefunden und die Stornokosten aus Kulanz reduziert.

Bessere Beratung und Eigeninitiative hätten Eklat vermeiden können

Um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden, müssen auch Reisebüros und die Reisenden selbst ein wenig mehr Verantwortung tragen, denn mit der richtigen Beratung seitens des Reisebüros, hätten sie zumindest eine Reiseabbruchversicherung für einen Reisenden dieses Alters empfohlen. Im konkreten Fall von Alfred N. hätten die Mehrkosten 50€ betragen. Auch sollte man sich selbst hinterfragen und sich bei der Reederei vor Buchung der Reise informieren, wie es mit der Barrierefreiheit an Bord aussieht und ob die gewählte Route nicht zu anstrengend für ältere Reisende mit körperlichen Beeinträchtigungen sei. Die Berater der Reedereien geben hier innerhalb kürzester Zeit kompetente Auskünfte und ersticken solche „Skandale“ im Keim. Alfred N. wird dies leider nicht weiterhelfen: Aufgrund eines leichten Schlaganfalls kurz vor den Dreharbeiten zum TV-Beitrag, wird er wohl nie wieder auf eine Kreuzfahrt gehen können und bleibt aller Voraussicht nach auf den (reduzierten) Stornokosten sitzen. Ich wünsche dennoch alles Gute!

Die Informationen zur Barrierefreiheit der wichtigsten Reedereien in Deutschland findet ihr unter den folgenden Links:

[db]

ack_AIDAcara_ Ostseekai