Städte-Trip in Südfrankreich: Mit A-Rosa Stella auf den Spuren von Paul Bocuse, anderen Gourmets und dem Savoir Vivre der Region

Fluss-Kreuzfahrten sind besonders. Statt mit 1000 Passagieren ist die Zahl der Kabinen deutlich kleiner, folglich auch die der Mitreisenden – und es gibt kaum Rollen und Stampfen (also Schaukeln des Schiffs). Stattdessen gleitet das Schiff gemächlich auf ruhigem Wasser dahin und man sieht das nahe gelegene Flussufer an sich vorbei ziehen.

Eine Städte-Reise in Südfrankreich erwartet mich; denn für einige Tage gehe ich an Bord der A-Rosa Stella, auf ihrem Weg von Lyon nach Mâcon und Chalon-sur-Saône. Den zweiten Teil der Reise, der von Lyon nach Châteauneuf-du-Pape, Avignon und Arles nach Viviers und La Voulte führt, bin ich nicht mehr dabei. Schade eigentlich, denn das südliche Südfrankreich hat noch einmal einen ganz besonderen Reiz.

Savoir Vivre, viel Gaumenfreude und bewegte Geschichte verspricht A-Rosa mir auf der viertägigen Kurzreise – und ich bin gespannt, ob der beliebte und bekannte Anbieter von Fluss-Kreuzfahrten Wort hält. Lest hier meinen Reisebericht von 4 Tagen in Südfrankreich, vom 3. bis 6. Mai 2014.

Anreise nach Lyon: Flug ab Düsseldorf mit Eurowings

a_kreuzfahrt_arosa_stella_anreise_flugzeugViele Passagiere, die mit mir auf der A-Rosa unterwegs sind, erzählen mir, dass sie mit dem TGV angereist sind. Ich verzichte auch den französischen Schnellzug und setze mich lieber in den Flieger. Mit Eurowings geht’s von Düsseldorf nach Lyon. Zeit, um mir einige Gedanken über die Reise zu machen. Und… Hey, Leute! Ich muss euch etwas gestehen: Französisch war in der Schule definitiv nicht mein Lieblingsfach. Ich habe es eigentlich nur gewählt, weil auf dem Weg zum Abitur eine zweite Fremdsprache nötig war. Und als alter Seemann, wie ich – euer Captain Kreuzfahrt – einer bin, will man ja irgendwie durchkommen…

Auch sonst hat’s mir Frankreich irgendwie nicht angetan. Urlaub in Spanien dann schon eher. Als ich noch klein und eine Reise mit dem Flugzeug beinahe unbezahlbar war, sind meine Eltern oft mit mir auf dem Rücksitz nach Nordspanien gefahren. Auf dem Weg nach Empuriabrava, dem süßen Klein-Venedig nördlich von Barcelona, nahe Girona, kamen wir auch jedes Mal an Lyon vorbei. Die Stadt hatte ich irgendwie stinkend in Erinnerung. Ich glaube, Öl-Raffinerien sind oder waren aus Stadtmarketing-Perspektive äußerst unstrategisch direkt an der Autobahn geplant worden. Mit offenem Fenster konnte man damals nicht durch die Stadt fahren.

a_kreuzfahrt_arosa_stella_anreise_flughafenAuch heute bringe ich es über ein dahin gestammeltes „Je ne parle pas français“ nicht hinaus. Ich habe mir jedoch vorgenommen, mich mit dem Land und vor allem der Stadt zu versöhnen. Ein Mann, ein Plan, ein Wort, eine Reisebuchung. Und so finde ich mich in genau diesem Augenblick an Bord der A-Rosa Stella wieder, dem mit 97 Prozent Weiterempfehlungsrate bei HolidayCheck mehr als solide bewerteten Flusskreuzfahrtschiff. Und ich muss sagen: Das Ambiente hier in der Lounge ist schön. Rote und gelbe Töne überwiegen, es ist warm, obwohl draußen ein frischer Wind weht. Die Rhôn fließt gemächlich an uns vorbei, während wir darauf warten, die Kabinen beziehen zu können. An der Bar stehen zwei hübsche Damen, die den Gästen jeden Wunsch von den Lippen ablesen.

Der Flug war kurz. Schon nach 70 Minuten ab Düsseldorf waren wir auf dem Flughafen von Lyon, Saint Exupéry, gelandet. Die Nacht zuvor war kurz. Weil der Flieger schon um kurz nach 6 Uhr in der Früh ging, war kaum daran zu denken, ein Auge zu zu machen. Zu viel Angst habe ich vor solchen Reisen immer, zu verschlafen. Das ist mir echt schon einmal passiert. :-)

a_kreuzfahrt_arosa_stella_anreise_eurowingsUm 10 Uhr kam ich am Schiff an – mit mir viele Ehepaare jenseits der 50, aber auch einige junge Leute, die Land und Leute kennen lernen wollen. Möchte man gar nicht meinen: Dass Flusskreuzfahrten auch von jungen Paaren und Singles gern gebucht werden. Aber so ist das eben mit den Vorurteilen. Sie lösen sich in Luft auf, wenn man erst einmal selbst an Bord geht. Auch die Stadt Lyon zeigte sich trotz des frischen Wetters von ihrer besten Seite. Der freundliche Hotelmanager der A-Rosa Stella gab mir einen Stadtplan und riet mir, mich an der Fußgängerzone zu orientieren. Nach einigen Metern erreichte ich einen riesigen Platz mit beeindruckendem Blick auf die Basilika der Stadt, die hoch auf einem Berg über die Stadt wacht.

a_kreuzfahrt_arosa_stella_anreise_lyon_bummelmeile KopieDie süßen kleinen Geschäfte mit ihrem vielfältigen Angebot lassen kaum einen Wunsch offen: Brioche, Alkohol, Mode – wer in Frankreich Geld ausgeben möchte, muss nicht zwangsläufig in Paris Urlaub machen. Auch die drittgrößte Stadt des Landes hat eine Menge zu bieten. Und stinken – wie ich’s aus Kindertagen von der Autobahn noch kannte – tat’s in der Innenstadt nirgends. Alles war picobello sauber und extrem einladend. Und trotz meines holprigen Deutschfranzösischs haben die charmanten Lyoner mich zu keinem Zeitpunkt auflaufen lassen. Nachdem ich mit einer Art Schoko-Croissant und einem Himbeertörtchen meinem Süßen Zahn einen Gefallen getan habe und genug durch die Gassen und über die Plätze geschlendert bin, ging’s zurück zum Schiff.

Und auch die Spuren von Paul Bocuse, dem Vertreter der Novelle Cuisine, sind in Lyon überall zu finden. Kein Wunder, denn der Meister wurde nahe Lyon geboren.

a_kreuzfahrt_arosa_stella_anreise_arosastella_erster_eindruck14 Uhr. Das Einchecken beginnt. Gespannt gebe ich meinen Personalausweis an der Rezeption ab und erfahre, dass man einfach auf die Kabine gehen kann. Die Türe sei offen. Gehört. Getan. Zielsicher suche ich die Kabine 215 – und die Tür lehnt tatsächlich nur an. Auf einem kleinen Tischchen liegt die Bordkarte, ein Begrüßungsschreiben und eine Flasche Sekt wartet dort auch auf mich. Es erinnert schon stark an AIDA – ob da der gleiche Innenarchitekt am Werke war?! Die Betten wirken hart, aber gemütlich. Der Fernseher von Loewe vermittelt den Hang zu Qualität und der französische Balkon ist einfach schön. Ich öffne das Fenster und blicke auf die Anlegestelle. Die Jugend der Stadt macht an Reck und Barren Turnübungen, während ich müde aufs Bett falle und sofort einschlafe.

Die Kabine ist einfach schön: Spiegel, Schrank, Safe und auch Nasszelle lassen keine Wünsche offen. Die Enge, die ich von manch anderen Schiffen kenne, spürt man hier kaum. Selbst das WC und Dusche sind großzügig bemessen.

Die Notfallübung um 18 Uhr und die Vorstellung der Landausflüge lasse ich hinter mir, ehe um 19 Uhr das Abendessen ansteht. Leckeres Essen – alles da, nichts fehlt.

a_kreuzfahrt_arosa_stella_lyon_ablegenDas Ablegen am Abend ist ein echte Ereignis. Das Schiff wendet auf der Rhôn und fährt unter teils so niedrigen Brücken hindurch, dass das Sonnendeck zeitweise gesperrt wird. Kurios: Die Brücke der A-Rosa Stella lässt sich „einfahren“. Sie versinkt gewissermaßen im Boden und der Kapitän steuert das Schiff von einem Leitstand außerhalb der eigentlichen Brücke. Eine echte Leistung der Ingenieure.

Das Schiff komplett zu erkunden – dafür habe ich nach einem Longdrink an der Bar keine Energie mehr. Völlig erschöpft falle ich ins Bett und schlafe sofort ein.

Mâcon – Kloster, Wein & mehr im Burgund

Da_kreuzfahrt_a_rosa_stella_macon_erlebnisberich_2er zweite Tag meiner Mini-Kreuzfahrt auf Rhône und Saône beginnt in Mâcon; etwa 60 Kilometer nötdlich von Lyon. Die Matratze in meiner Kabine ist angenehm hart. Gegen 7.30 Uhr weckt mich die Rezeption, denn schon um 8.50 Uhr treffen wir uns zum ersten Ausflug. Ich öffne die Fenster meiner Kabine weit – und werde von einer Herde Schwänen begrüßt; sagt man eigentlich ‚Herde’ bei Wasservögeln?! Wie dem auch sei. Die weißen, schönen Tiere schauen mich interessiert an – erwarten wohl Futter und ich hab leider keines… Schön, so in den Tag zu starten.

Das Internet auf der A-Rosa Stella zeigt in Mâcon bereits erste Schwächen: In der Lounge ist die Verbindung zum W-Lan zwar gut, doch statt auf einer Datenautobahn surfe ich eher im Schneckentempo. Lediglich E-Mails kommen durch. Davon lasse ich mich nicht weiter beeindrucken und setze mich an den Frühstückstisch: Müsli mit Quark oder Milch, Aufschnitt, Käse in Hülle und Fülle sowie Süßes und Brot (hell & dunkel) gibt’s reichlich. Es sieht lecker aus und schmeckt auch so.

a_kreuzfahrt_a_rosa_stella_macon_erlebnisberich_6Der Ausflug zur Abtei von Cluny steht an – und ich bin dabei. „Mein Name ist Ingeborg“, stellt sich unsere sympathische Führerin vor und weiht uns in die Geheimnisse der Region ein, auf dem Weg zu einem der größten Klöster der Landes, von dem heute nicht einmal mehr die Grundmauern stehen. Wir sehen Burgen und Berge, Weinreben und Rinder. Jede Menge Wissenswertes erfahren wir schon auf dem Weg nach Cluny – alles weitere zu diesem wunderschönen Ausflug stelle ich euch auf einer eigenen Seite vor.

Pünktlich um 12.30 Uhr erreichen wir wieder das Schiff. Es gibt Mittagessen. Fleisch, Fisch, Gemüse – die Küche sorgt wirklich dafür, dass man mit einigen Kilos mehr auf den Rippen wieder abreist. Zumindest, wenn man nicht aufpasst. Ich lasse das Dessert ausfallen, obwohl es wirklich phantastisch aussieht – und auch schmeckt, wie mir meine charmanten Tischnachbarn bestätigen. Aber man muss eben auf die schlanke Linie achten. Jedes Kilo, das man leicht drauf futtert, wird man umso schwerer wieder los.

a_kreuzfahrt_a_rosa_stella_macon_erlebnisberich_8Kurz vor 14 Uhr brechen wir mit Tourguide Birgit auf, die Weinberge zu entdecken. Vorbei am Sagen umwobenen Felsen Solutré geht es weiter in Richtung Beaujolais. Wir erfahren auch hier viel über den südlichsten Zipfel des Burgunds – über Weiß- und Rotweine und die Gegend zwischen Saône und Loir. Einfach schön. Das Wetter spielt mit: Die Sonne scheint, es weht ein frischer Wind und die Zeit im Bus vergeht wie im Flug.

Vor dem Weinmuseum angekommen, stöpseln wir unsere Ohrhörer ein, stellen auf Kanal 5, um Birgit auch immer richtig zu hören und betreten das Gebäude. Ein alter Bahnhof empfängt uns. In den folgenden Stationen – bei einem fantastischen Film voller Luftaufnahmen erfahren wir alles über die Region Beaujolais und die Herstellung, den Transport und die Freude des Weins. a_kreuzfahrt_a_rosa_stella_macon_erlebnisberich_5Zum Abschluss gibt’s noch einen Weiß- und zwei Rotweine, über deren Qualität sich die Geschmäcker an meinem Tisch nicht einig sind.

Die Rückreise geht schnell – in Tournus gehen wir wieder an Bord. Leider durften die Gäste des Schiffs, das hier nur anlegte, um uns vom Ausflug wieder mit an Bord zu nehmen, das Schiff nicht verlassen. Direkt vor der Anlegestelle war ein kleiner Flohmarkt, den viele Gäste gern besucht hätten. Auch der Hotelmanager der A-Rosa Stella, Ulf Rademaker, konnte die Bitten der Reisenden nicht erfüllen. Um keinen Neid aufkommen zu lassen, ging keiner der Ausflügler auch nur ansatzweise in Richtung des Trödelmarktes – sondern sofort an Bord, wo auch schon das Abendessen aufgebaut war. Das Buffet war über alle Zweifel erhaben. Einfach lecker. Französische Spezialitäten, viel Käse, Fisch und Fleisch gab’s in Hülle und Fülle. Auch der Nachtisch war super. So gut, dass ich gleich zum großen Besteck griff. Ein Umstand, der bei meinem neuen Freund Oliver größtes Erstaunen auslöste.

Am Abend ging’s gemütlich an der Bar weiter. Einen Termin im Spa hatte ich für den dritten Tag – wenn wir in Chalon-sur-Saône sind – bereits vereinbart. Nach ein paar Cocktails ging’s auf die Kabine. Bei herrlichem Wetter und geöffneter Balkontür schlief ich ein… :-)

Von Tag 3 und dem letzten Tag meiner Reise berichte ich euch später… :-)

 

 

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