Wenn der Kapitän die Route ändert, haben Kreuzfahrer nicht immer Recht auf Minderung

Auf See ist man nicht nur in Gottes Hand. Auch der Kapitän hat eine Menge mitzureden. Das musste nun auch ein Ehepaar aus München einsehen, das 7000 Euro für eine Kreuzfahrt ins Nordmeer bezahlt hatte. An Spitzbergen vorbei zu fahren, fand das Paar sehr interessant. Sie buchten extra eine Kabine auf der Backbord-Seite, also in Fahrtrichtung links, um die malerischen Landstriche zu sehen.

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Doch der Kapitän änderte am „See-Tag“, der im Prospekt versprochen wurde, kurzerhand die Route. Spitzbergen sehen, Fotos machen? Fehlanzeige. Das Paar sah sich um ein faszinierendes Erlebnis geprellt und reklamierte, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Die Reederei ging auf die Rückforderung eines Teilbetrages jedoch nicht ein. Ein „Seetag“ habe im Plan gestanden, wann dann welche Küstenabschnitte oder Inseln zu sehen seien, hänge von der Route ab, für die sich der Kapitän entscheide.

ab_nordland_polarlicht_norden_arktis2Auch vor den Richtern am Amtsgericht München erlitt das Ehepaar Schiffbruch. Grundsätzlich sei eine Route zwar einzuhalten und eine Abweichung könne unter Umständen auch einen Mangel darstellen und damit eine Erstattung rechtfertigen – im vorliegenden Falle wegen des „Seetages“ jedoch nicht, urteilte das Zivilgericht im Süden der Republik. Der Kapitän des Schiffes habe freie Hand bei der Wahl der Reiserote gehabt, weil er nicht gegen konkrete Versprechungen verstoßen habe. Das Urteil ist rechtskräftig.

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