Seenotretter lassen Typschiff einer völlig neu entwickelten Klasse bauen: Taufe und Indienststellung zum 150-jährigen Bestehen der DGzRS 2015

Am Montag, 26. Mai 2014, ist der erste Seenotkreuzer einer völlig neu entwickelten 28-Meter-Klasse der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) auf Kiel gelegt worden. Das moderne Spezialschiff und sein Tochterboot, in die alle Erfahrungen der Seenotretter aus dem Einsatz einfließen, entstehen auf der Werft Fr. Fassmer in Berne an der Unterweser. Die DGzRS beabsichtigt, die neue Rettungseinheit 2015 zu ihrem 150-jährigen Bestehen am 30. Mai 2015 zu taufen und in Dienst zu stellen. Auf einer besonderen Internetseite können die Freunde und Förderer der Seenotretter verfolgen, wie der Neubau entsteht. Die Schiffbauingenieurin Jessica Bröring aht einer Tradition folgende eine Jubiläumsmedaille der DGzRS in eine Vertiefung im Hauptdeck des Neubaus eingelegt. Die Medaille mit dem Motiv des bekannten Sammelschiffchens soll den Schiffbauern, vor allem aber auch Schiffsführung und Besatzung Sicherheit, Glück und Gesundheit verheißen.
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Während in früheren Zeiten in der gesamten Bauzeit ein Geldstück unter dem Kiel auf dem Boden der Schiffbauhalle lag und im Laufe der Bauzeit durch ansteigendes Gewicht regelrecht plattgedrückt wurde, findet bei der neuzeitlichen Bauweise „kieloben“ die Jubiläumsmedaille der DGzRS nun Platz im Hauptdeck und fährt so gleichfalls bei jedem Einsatz mit. Die Seenotretter danken dem Hersteller „Euromint“, der das Feinsilber-Exemplar für diesen Zweck kostenfrei zur Verfügung gestellt hat. Freunde und Förderer der DGzRS können die auf 1.500 Stück limitierte Medaille mit Spendenanteil im Seenotretter-Shop erwerben.

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Der völlig neu konstruierte Seenotkreuzer ist als leistungsfähiger Nachfolgetyp für die bewährte 27,5-Meter-Klasse vorgesehen. Den Auftrag zum Bau der ersten drei Einheiten hat die DGzRS an die Fassmer-Werft vergeben. Das Typschiff der 28-Meter-Klasse soll nach derzeitigen Planungen auf Amrum stationiert werden. Dort soll es die 23,3 Meter lange Vormann Leiss ersetzen, den dienstältesten Seenotkreuzer an der schleswig-holsteinischen Westküste (Baujahr 1985). Gemeinsam mit den in den vergangenen Jahren in Dienst gestellten Seenotkreuzern der Nachbarstationen wird der Neubau diesen Teil der viel befahrenen Deutschen Bucht absichern.

Die Eckdaten der neuen Klasse

In der für Seenotkreuzer typischen Heckwanne werden die 28-Meter-Seenotkreuzer jeweils ein gut acht Meter langes Tochterboot mit sich führen. Im Gegensatz zu den jüngsten Vorgängerneubauten wird es sich dabei jedoch nicht um schnelle Festrumpfschlauchboote (RIB = Rigid Inflatable Boat) handeln. Denn für ein den Anforderungen der DGzRS genügendes vollwertiges Tochterboot mit geschlossener Kajüte in RIB-Bauweise sind die neuen 28-Meter-Seenotkreuzer zu kurz. Sie erhalten deshalb moderne Weiterentwicklungen der jüngsten Tochterboote der bestehenden 27,5-Meter-Klasse.

Wie alle Rettungseinheiten der DGzRS werden Seenotkreuzer und Tochterboot im bewährten Netzspantensystem vollständig aus Aluminium gebaut, als Selbstaufrichter konstruiert und ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert. Freunde und Förderer der DGzRS können in einem Werft-Tagebuch in Kürze verfolgen, wie der neue Seenotkreuzer entsteht. Vor einigen Wochen hat die DGzRS zudem ein weiteres Seenotrettungsboot ihrer bewährten 9,5-/10,1-Meter-Klasse auf Kiel gelegt. Auch diese neue Rettungseinheit, die in Rostock entsteht, soll zum Jubiläum getauft und in Dienst gestellt werden.

Die DGzRS setzt derzeit von 54 Stationen in Nord- und Ostsee 60 Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote ein. Die Seenotleitung Bremen der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre) koordiniert zentral alle Such- und Rettungsmaßnahmen. Trotz aller Technik: Im Mittelpunkt des Rettungswerkes steht nach wie vor der Mensch. Ohne die freiwillige Bereitschaft der Seenotretter zu ihren nicht selten gefahrvollen Einsätzen wäre die Arbeit der DGzRS nicht denkbar. Jahr für Jahr fahren die die Einheiten der Rettungsflotte mehr als 2.000 Einsätze auf Nord- und Ostsee.

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