Fähre Sewol kentert vor Südkorea: Tote und Verletzte + 477 Passagiere an Bord + Kinder auf einem Schulausflug + Viele Menschen werden vermisst

Schlimme Nachricht aus Asien: Die Passagier-Fähre Sewol ist vor der Küste Südkoreas gekentert und bereits komplett gesunken. 477 Passagiere befanden sich beim Unglück an Bord, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Bild Online berichtet von drei Toten und 290 vermissten Personen. Besonders tragisch: Auf dem Schiff sollen 325 Schüler gewesen sein, die sich auf einem Ausflug befanden. Dementsprechend dramatisch titelt das Springer-Blatt: Die Eltern sahen im TV, wie das Schiff sank! Die Sewol hatte am Mittwoch den Hafen von Incheon verlassen und war auf dem Weg nach Jeju. Medien berichten, dass ein Passagie ein lautes Geräusch gehört haben will, bevor das Schiff Schlagseite bekam. Möglicherweise ist die Sewol mit einem Felsen kollidiert.

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Eine große Rettungsaktion lief bereits kurz nach dem Mayday-Signal der Crew an. Etliche Rettungshubschrauber erreichten den Unglücksort nach einigen Minuten. Für die in Seenot geratenen Kinder, Frauen und Männer muss das wie eine Ewigkeit gewirkt haben. Bald darauf waren auch Rettungsboote vor Ort. Mit Schwimmwesten hielten sich viele Menschen über Wasser. Offenbar werden noch etliche Menschen vermisst. Die nationale Katastrophe bestimmt die Medienberichte des Landes.

Bild.de hat einen Ticker zu dem Unglück eingerichtet. Demnach ist bereits ein US-Kriegsschiff auf dem Weg zur Unglücksstelle.

Seenotretter: Koordinierung ist große Herausforderung

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C. Stipeldey – Foto: DGzRS

Für Christian Stipeldey, Sprecher der Seenotretter in Deutschland, wirkt das Lage-Management der Verantwortlichen in Südkorea aus der Distanz betrachtet recht strukturiert. „So etwas kann man aus der Ferne ja immer nur ganz schwer beurteilen, aber wenn wir den Medienberichten glauben können, war dort relativ schnell Hilfe vor Ort. Die Koordinierung der Rettungsmaßnahmen ist eine große Herausforderung.“ Sollte es einen vergleichbaren Fall in Gewässern vor der Küste Deutschlands geben, erklärt der Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, dass dann schnell die Grenzen der Zuständigkeiten erreicht seien. „Wenn so viele Menschen gleichzeitig in Seenot sind, muss über unsere Aufgabe der Suche und Rettung hinaus auch an Land viel koordiniert werden – in so einem Fall würde dies das Havarie-Kommando von Bund und Ländern übernehmen.“ Versorgungszelte müssten gebaut, die medizinische und seelsorgerische Betreuung der Opfer koordiniert werden.

„Zum Glück“, so Christian Stipeldeay, „sind unsere Gewässer in Deutschland sehr stark befahren. Wenn da so ein Unglück passieren würde, wären vermutlich schnell viele Schiffe vor Ort, um zu helfen.“ An eine vergleichbare Großschadenslage wie in Südkorea kann sich der Seenotretter-Sprecher kaum erinnern. Als der Holzfrachter Pallas vor Amrum 1998 strandete, habe man anschließend das Havarie-Kommando ins Leben gerufen, um von staatlicher Seite Strukturen für Notschlepp- und Bergungsmaßnahmen zu schaffen – jenseits des Such- und Rettungsdienstes, für den die DGzRS zuständig ist. Auch an das Kentern der Herald of Free Enterprise im Hafen von Zeebrügge mit 193 Toten hat der Seenot-Experte düstere Erinnerungen. Horror-Ereignisse, die sich – Gott sei Dank – höchst selten ereignen.

Videos von Youtube von der Sewol in Südkorea

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