Botanik Kreuzfahrten der MS Deutschland: Interview mit Garten-Experte Antonius Bösterling

Eine Kreuzfahrt mit Überraschungen: Über die botanische Entdeckungsreise der MS Deutschland habe ich euch Anfang der Woche ja schon berichtet. Zum Thema Faszination Botanik hat mir die Reederei Peter Deilmann ein Interview mit Gartenexperte Antonius Bösterling zur Verfügung gestellt, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Geht mit dem Traumschiff auf Reisen in fremde Länder – und entdeckt neue Horizonte, vor allem im Bereich Botanik!

Viel Spaß beim Lesen! :)

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Interview mit Antonius Bösterling

Wie lange machen Sie schon die Gartenreisen auf der MS Deutschland?
Antonius Bösterling: Die Reederei Peter Deilmann ist ein Pionier in Sachen Garten-Kreuzfahrten. Im Jahr 2001 habe ich zunächst für die DEUTSCHLAND zwei Gartenreisen pro Jahr nach England entwickelt, organisiert und begleitet, nun sind es bis zu acht im Jahr. Die Reisen wurden immer beliebter und wir benötigten Unterstützung. Die fanden wir in Gartenarchitektin Heidi Howcroft und Gartenhistoriker Dr. Carsten Seick.

a_kreuzfahrt_ms_deutschland_botanik_kreuzfahrten_11Was fasziniert Sie so an Botanik und Gartenarchitektur?
Antonius Bösterling: Gärten sind Paradiese und Rückzugsorte, grüne Oasen, die klärend und ausgleichend wirken. Besondere Formen und Objekte im Garten zu strukturieren, ist nicht nur meine Leidenschaft, es wirkt auch noch meditativ auf mich. Ich mache meine Arbeit sehr genau und durchdenke alles bis ins kleinste Detail, vor allem bei der Konstellation der Farben. Die von mir geplanten Gärten sind nach 40 Jahren unverändert.

An See-Tagen halten Sie Seminare an Bord, wie kann man sich das vorstellen?
Antonius Bösterling: Bereits am ersten Abend nach der Begrüßung sind wir eine Gartengruppe und es beginnt ein intensiver Erfahrungsaustausch. Jeder Teilnehmer erfährt von jedem was für einen Garten und welche Lieblingspflanze er hat, und ob er ein Spezialist von Stauden oder Rosen ist. Wir treffen uns zu Vorträgen über die Geschichte der Gartenkunst und Trends. Wir laden auch zu Planungsgesprächen ein, in denen Anregungen für den eigenen Garten entwickelt werden. Die Teilnehmer erhalten für die jeweiligen Ideen einen Entwurf, den sie zu Hause umsetzen können. Oft schicken die Teilnehmer Fotos als Dank und Belege für die erfolgreiche Realisierung.

a_kreuzfahrt_ms_deutschland_botanik_kreuzfahrten_41Wenn wir Sie bei einem Landausflug begleiten, wie würde so ein Tag aussehen?
Antonius Bösterling: Auf dem Weg zu den Gärten machen wir eine Stadterkundung und interpretieren die umliegende Natur. Gärten sind nie unabhängig von der Landschaft angelegt und zeigen auch die jeweilige Wirtschaftskraft der Region in den einzelnen Gartenepochen an. Vor Ort erläutere ich dann das was ich sehe. Erstaunlicherweise haben viele Menschen das „Sehen“ verlernt und erfreuen sich nach einigen Tagen an ihrem wiedergewonnenen Bewusstsein für die Schönheit der Natur.

Gibt es einen Ort, an dem es die größte Zahl unterschiedlichster Pflanzenarten gibt?
Antonius Bösterling: Die Dichte der Pflanzenarten hängt vom Klima, Boden und Leidenschaft der Gartenbesitzer ab. In der Namibiawüste ist die Wellwitschia ein Highlight. Sie ist extrem reich befruchtet, obwohl rundum ansonsten nur Sand ist. An den Hängen der norwegischen Fjorde unterstützen nur wenige Pflanzenarten die skulpturale Landschaft. Gärtnern ist dort eine Herausforderung. Die reichste Flora wächst in Südirland und Südengland, in Kent, Cornwall und Sussex. Was auch viel mit der gärtnerischen Leidenschaft der englischen Frauen zu tun hat.

a_kreuzfahrt_ms_deutschland_botanik_kreuzfahrten_22Haben Sie einen persönlichen Lieblingspark oder Garten?
Antonius Bösterling: Mir gehen zwei Gärten nicht mehr aus dem Kopf: Nördlich von Edinburgh liegt das House of Pitmuis Gardens in einer typischen englischen Parklandschaft. Gestaltet und mit Liebe versorgt von einer alten Dame namens Mrs. Ogilvie, die mit ihren 90 Jahren immer noch die Gartenpflege betreibt, sei es mit dem Rollator und einer angehängten Hacke. Auch beeindruckend: Prinzessin Sturdza in der Normandie pflanzte mit über 90 Jahren unentwegt Neuheiten von Bäumen und Sträuchern in ihrem fünf Hektar großen Waldlandschaftsgarten Le Vasterial.

Verraten Sie wie ihr privater Garten aussieht?
Antonius Bösterling: Ich habe einen Atriumgarten, in dessen Mitte eine Wasserstelle und eine Wallhecke liegt. Mein zweiter Garten befindet sich in meinem Büro. Es ist ein Experimentiergarten, in dem ich neue Pflanzenarten züchte und beobachte. Meine Proben und empfindlichen Schützlinge überwintern dann im Glashaus.

Bei so viel Begeisterung, haben Sie eine Lieblingspflanze?
Antonius Bösterling: Ich habe drei Lieblingspflanzen: Die Lotuspflanze, das Symbol der Reinheit, Vollkommenheit und weiblicher Schönheit. Die weiße Herbstanemone und der Quittenbaum, der für den Genuss der Liebe steht.

2 Kommentare

  1. Thomas Mrazek sagt:

    Ihr macht ja überraschend viel über die „Deutschland“ – werdet Ihr dafür bezahlt?

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