Spezial-Schiffbau auf der Lloyd Werft Bremerhaven: Gute Bilanz für 2013 vorgestellt – Positive Aussicht

Die Verantwortlichen der Lloyd Werft Bremerhaven haben eine zufriedenstellende Bilanz für das abgelaufene Jahr gezogen. Kreuzfahrt– und Spezialschiffe bestimmen das Zukunftsgeschäft. Rüdiger Pallentin und Carsten J. Haake, Vorstände der Lloyd Werft Bremerhaven AG, sind zufrieden mit dem Verlauf des Jahres 2013. Und auch für das laufende Jahr sehen die beiden keine großen Hürden, die das Unternehmen nicht schaffen könnte. Rüdiger Pallentin: „Bis Oktober sind wir gut ausgelastet.“ Dabei bestimmt nicht die Menge von Schiffen, die bei der Lloyd Werft zu Reparatur oder Umbau waren, sondern die Werthaltigkeit der Aufträge das Ergebnis, das zu einem Auftrags-Plus bei der Lloyd Werft geführt hat. Das neue Konzept der Arbeitsteilung im Werftenverbund des Kaiserhafens geht für die Lloyd Werft auf. Auch die Vollendung des Mega-Errichterschiffs Aeolus, worüber ich kürzlich schrieb, passte perfekt in dieses Konzept – und letztlich ist das alles auch ein erster Erfolg der Neu-Ausrichtung der Werft vor gut einem Jahr.

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Lloyd Werft Bremerhaven, German Dry Docks und MWB Motorenwerke Bremerhaven. Aus den einstigen Konkurrenten ist eine Schiffbau-Familie geworden, die sich in Aufgaben, Fähigkeiten und Angeboten ergänzt. Rüdiger Pallentin ist mit dem Ergebnis 2013 für die Lloyd Werft zufrieden, freut sich über „die sehr gute Auslastung“ seiner Kerngewerke Schiffbau, Rohrschlosserei und Maschinenbau und lobt den Zusammenschluss im Kaiserhafen, der sich „positiv ausgewirkt“ habe auf die Beschäftigung aller rund 600 Beschäftigten in den drei Unternehmen mit dem Ergebnis, dass alle sechs Trocken- und Schwimmdocks der Lloyd Werft und von German Dry Docks sehr gut ausgelastet waren und es nach wie vor sind.

Auch der „firmenübergreifende Einsatz“ von Beschäftigten gehört dabei für Pallentin zu den positiven Ergebnissen der neuen Bremerhavener Werften-Allianz im Kaiserhafen, wobei die Lloyd Werft mit ihren derzeit 330 Beschäftigten sich künftig „noch mehr konzentrieren“ will auf das Öl- und Gasgeschäft. „Wir werden diesen sehr innovativen, arbeitsintensiven und auch herausfordernden Bereich des Spezialschiffbaus weiter ausbauen und unser Engagement in der Akquisition von Aufträgen verstärken“, kündigt Rüdiger Pallentin an. Dazu gehört auch, dass die Lloyd Werft die Zusammenarbeit mit MWB Motorenwerke Bremerhaven „ausbauen und betonen“ will, um deren Motorenkompetenz stärker zu nutzen.

Warten auf den Silberstreif am Horizont

a_kreuzfahrt_lloyd_werft_rwe_schiffDoch trotz des zufriedenen Rückblicks auf 2013 und den positiven Ausblick auf das begonnene Jahr, sieht die Lloyd Werft grundsätzlich noch nicht den ersehnten Silberstreif am deutschen Werften-Himmel. „Auch wenn wir ganz zufrieden sind mit unseren Ergebnissen und der kurzfristigen Perspektive, ist das leider keine Wende. Wir müssen also noch mehr tun, um Aufträge in die Werft zu holen und unser Profil mit unseren traditionellen Fähigkeiten aus Innovation, Know-how, Flexibilität und Ingenieurwissen zu schärfen“, sieht Pallentin die Aufgaben für die nähere Zukunft im Kaiserhafen von Bremerhaven.

Den Grundstein für die neuen Schwerpunkte der Lloyd Werft hat das fast 160 Jahre alte Schiffbau-Unternehmen schon gelegt: Die Reparatur und der Umbau von Kreuzliner – seit vielen Jahren schon ein weltweit gepriesenes Markenzeichen der Werft – gehört weiter zum Zukunftsprofil. Vor allem aber ist es der engagierte Ausbau der Fähigkeiten, Spezialschiffe für das Öl- und Gasgeschäft zu bauen oder umzubauen, mit dem Neubau eines Rohrverlegers für große Tiefen in das Offshore-Geschäft einzusteigen oder sich auch mit neuen Fähigkeiten auszustatten für Reparatur und Fertigbau von Errichterschiffen von Offshore-Windanlagen, was die Lloyd Werft auszeichnet.

Ein Langzeit-Auftrag wird der komplizierte Umbau von zwei ehemaligen Bohrinsel-Versorgern zu Spezialschiffen für die Ertüchtigung von leistungsschwachen Ölquellen. Die „Island Centurion“ und „Island Captain“ (jeweils 93 m lang, 20 m breit) sind Entwicklungen die – so Rüdiger Pallentin – „hohe Fähigkeiten abverlangen, wie wir sie mögen.“

a_kreuzfahrt_lloyd_werft_astor_artemisNoch mehr Zukunfts-Profil will die Lloyd Werft aber mit der „Ceona Amazon“ (33.000 BRT, 199,4 m lang, 32,2 m breit) aufbauen. Wie bei der Lloyd Werft inzwischen üblich, lässt sie den Rumpf des Neubaus extern herstellen. In einigen Wochen wird er zum Fertigbau nach Bremerhaven geschleppt.

In diese Richtung bewegt sich die Lloyd Werft auch mit einem Offshore-Errichterschiff (139 m lang, 38 m breit), das auf der Sietas-Werft in Hamburg begonnen und nun in Bremerhaven zu Ende gebaut werden soll. Dort erhält der Neubau seine Standbeine – eine Prozedur, die an dem extra dafür gebauten Liegeplatz schon bei anderen Errichterschiffen ausgeführt wurde und die Ambitionen der Lloyd Werft bekräftigen, auch im Offshore-Geschäft der Zukunft dabei zu sein.

Auch 2013 war das Jahr der Kreuzliner. Mit Ihnen hat die Lloyd Werft in der Vergangenheit oft genug positive Schlagzeilen gemacht und auf die traditionellen Fähigkeiten verwiesen, wenn es um Know-how, Flexibilität und Termintreue geht – Tugenden, die vor allem im von engen Fahrplänen bestimmten Kreuzreisemarkt von großer Wichtigkeit sind.

AIDA mit zwei Kreuzfahrtschiffen in Bremerhaven

Erstmals schickte AIDA gleich zwei ihrer Kreuzliner nach Bremerhaven: AIDAbella (69.203 BRT, 251 m lang, 32,20 m breit) kam im April zu Reparaturen ins große Kaiserdock, im Oktober folgte dann mit der AIDAcara (38.557 BRT, 193,3 m lang, 26,6 m breit) der Club-Kreuzliner, mit dem AIDA 1996 seinen Erfolg begründete.

Ein umfangreicher und aufwändiger technischer Arbeitsplan und ein enger Termin. „Genau das Richtige für uns“, freute sich Werft-Vorstand Rüdiger Pallentin, als im April 2013 der Spezial-Kreuzliner für Reisen im ewigen Eis der Pole, „National Geographic Explorer“ (6.471 BRT, 112 m lang, 16,5 m breit), Bremerhaven ansteuerte.

P & O ist ein alter Stammkunde der Lloyd Werft. Nach mehreren Umbauten und Reparaturen schickte die Reederei im November/Dezember ihre „Arcadia“ (82.505 BRT, 285,3 m lang, 32,25 m breit) zu umfangreichen Umbauten und Reparaturen wieder nach Bremerhaven.

Auch TUI Cruises und Fred Olsen kommen

Die gesamte Fred Olsen-Flotte war inzwischen bei der Lloyd Werft zu Besuch. Im November 2013 kam nach „Black Watch“, „Braemar“ und „Balmoral“ mit dem Kreuzliner „Boudicca“ (28.551 BRT, 206,96 m lang, 25,22 m breit) die Nr. 4 der Flotte zur Lloyd Werft. In nur sechs Tagen hatte die Werft ein umfangreiches Technikprogramm abzuarbeiten und entließ den eleganten 40 Jahre alten Liner pünktlich für das Wintergeschäft wieder auf See.

Und auch 2014 werden immer wieder Kreuzliner bei der Lloyd Werft festmachen. Den Anfang macht im April die „National Geographic Explorer“ von Lindblad Expeditions, gefolgt von TUI’s „Mein Schiff 1“ und im Mai kommt dann noch ein schwimmender Hörsaal. Die Universität von Virginia schickt ihren Kreuzliner „Explorer“ zu Reparatur- und Verschönerungsarbeiten nach Bremerhaven.

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